Geschichten schreiben Geschichte – ist das so?
Writing at stake
Ein WorkWriteShop zur gemeinsamen Entwicklung von konkreten Zukunftsräumen
Viel wurde geschrieben über mögliche Zukunftsszenarien.
Zwischen globaler Verwüstung und einem hochtechnologisierten Alltag gibt es nur wenige menschenfreundliche Zukunftsentwürfe, Entwürfe, die zudem keine ferne Utopien sind, sondern sich zeitnah umsetzen lassen.
Ein fatales Manko – jedenfalls, wenn Geschichten Geschichte schreiben.
Genau hier setzt das D-Lab an.
Es stellt den Raum und der WorkWriteShop darin den Prozess,
in dem Geschichten entstehen – aus einem gemeinsamen Alltag heraus.
Gelebtes Schreiben.
Geschriebenes Leben.
Das D-Lab
Das D-Lab ist ein bereits existierender Ort, der u.a. Raum bietet für den zeitlich begrenzten WorkWriteshop, gerichtet an Menschen, die nicht länger daran glauben, dass relevante Zukunftsnarrative in Einsamkeit, Diskurs oder digitalen Räumen entstehen.
“Humans are storytelling animals” — pack animals (not to be confused with herd animals).
Menschen arbeiten seit jeher in kleinen, selbstorganisierten Gruppen, wenn etwas entstehen soll, das im normalen Alltag nicht möglich ist.
Nur in der Literatur hält sich noch das Bild des einsamen Genies.
Dies ist ein Versuch, mit diesem Klischee zu brechen.
Ein Ort, an dem Geschichten nicht nur erzählt, sondern unter realen Bedingungen erzeugt werden –
und genau dadurch mitzuwirken an der Schaffung neuer Wirklichkeiten.
Warum gemeinsam schreiben?
Wenn scheinbar unlösbare Aufgaben gelöst werden sollen, greifen Gesellschaften oft auf dieselbe Arbeitsform zurück: zeitlich begrenzte, hoch fokussierte Zusammenarbeit kleiner Gruppen jenseits normaler Routinen.
Diese Form findet sich in sehr unterschiedlichen Kontexten:
in Retreats indigener Stammesältester, in mittelalterlichen Bauhütten großer Bauwerke, in wissenschaftlichen Laboren, an Filmsets oder in modernen Entwicklungsteams im Silicon Valley oder ähnlichen Orten.
Im Bletchley Park entstanden während des Zweiten Weltkrieges frühe elektronische Computer, nicht aus langfristiger Planung heraus, sondern auf sehr realen Druck von außen. Feindliche Codes mussten unter hohem Zeitdruck geknackt werden. Das war ein Entwicklungssprung aus der Not heraus, mit ungewissem Ergebnis.
Das Manhattan Project zur Entwicklung der Atombombe folgte derselben Arbeitsweise:
kleine, unabhängig voneinander operierende Teams in ständigem Erfahrungsaustausch, Abschottung von normaler Umgebung, Freistellung von Routineaufgaben, gemeinsamer Team-Alltags, hoher Zeitdruck, offener Ausgang.
Was anfangs nahezu unmöglich erschien, wurde dann aber auch bei diesem Vorhaben zur Wirklichkeit.
Was immer man von den Arbeitsergebnissen dieser Beispiele halten mag – es ist eine sehr effektive Arbeitsweise.
Umgekehrte Vorzeichen
Das D-Lab steht in dieser Tradition – nur mit umgekehrter Zielsetzung.
Nicht Ideologie, Kontrolle oder Leistungsoptimierung sind die treibenden Kräfte, sondern zuallererst einmal die Steigerung der eigenen Lebendigkeit und Kreativität.
Das ist die beste Voraussetzung für echtes Mitgefühl, das mehr ist als nur ein Charity-Mindset. Fürsorge wirkt am besten, wenn sie nicht auf Angst und Mitleid, sondern auf Vertrauen in die Lösbarkeit menschlicher Probleme beruht.
Dieses Experiment kommt ohne Milliardenbudgets aus, ohne religiöse, politische, militärische, ökonomische oder dogmatische Zwänge. Stattdessen besteht die Investition aus Zeit, Körperlichkeit, bildlicher Sprache und der Bereitschaft, sich für eine Weile mal ganz einzulassen auf etwas Neues, auch wenn das Ergebnis völlig offen ist.
Wahrnehmung
Die sog. Pandemie zeigte deutlich eine Kulmination an – sozusagen die Coronation einer langen historischen Entwicklung.
Für das, was hier entstehen soll, braucht es jene, die in diesem bisher einzigartigen globalen Ereignis mehr erkennen als nur eine dieser ständig wiederkehrenden Krisen, die über die laue mediale Dauerberieselung vermittelt werden. Die Pandemie glich eher einer eiskalter Dusche, auf die entsprechend extrem reagiert wurde, vielfach mit panikartiger Angst und daraus resultierenden Kontrollmaßnahmen, oder mit zunehmender Resignation und Gleichgültigkeit, die vor allem begünstigt wird durch das Fluchtmöglichkeit in virtuelle Welten. Tendenz bei beiden Mustern: exponentielles Wachstum, das dabei eine starke Eigendynamik entwickelt. Stichwort: Schneeballprinzip.
Die Zeit drängt, vielleicht mehr denn je.
Zielsetzung
Ziel ist es, der aktuellen Visionslosigkeit etwas entgegenzusetzen – durch ein Narrativ, das tragfähig genug ist, um nicht nur gedacht, sondern zeitnah gelebt werden kann.
Durch konzentrierte Zusammenarbeit auf Zeit kann ein neues, pragmatisches Narrativ für die nahe Zukunft entstehen – eines, das ein mögliches Bild der fernen Zukunft bereits in sich trägt.
Dies geschieht in Form einer literarischen Erzählung über einen experimentellen urbanen Lebensraum im Entstehen – mit all seinen Spannungen, Widersprüchen und Risiken.
Am Anfang ist das Bild
Prägende Narrative entstehen aus sinnlichen Erfahrungen, nicht aus abstrakten Modellen.
Eine bildhafte Erzählung ist keine Idee. Sie ist Erfahrung. Sie ist Körperlichkeit.
Eine vorgegebene Romanstruktur bildet den Ausgangspunkt.
Das reale D-Lab-Team beschreibt während seines Aufenthalts ein fiktives D-Lab-Team – eingebettet in eine fortlaufende Erzählung über einen experimentellen urbanen Lebensraum im Werden.
Sollten im Verlauf bessere Ideen entstehen, setzt sich durch, was trägt.
Konkrete Aufgabe
Im Zentrum steht die Entwicklung eines zeitnah und ohne große Mittel überall in Welt umsetzbaren Modells – und einer daraus entstehenden möglichen Zukunft.
Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft stehen dabei in einem fortlaufenden Dialog, getragen von Erfahrung, Intuition und erzählerischer Form.
Ausführung
Die literarische Erzählung ist eingebettet in eine Rahmenhandlung über ein wissenschaftliches Projekt zur Erforschung der Faktoren für menschliches Wohlergehen.
Der Fokus liegt auf dem Gruppenprozess selbst.
Technische und organisatorische Details werden parallel in einer separaten Enzyklopädie ausgearbeitet.
Die Welt, die ist
Ein konkreter Entwurf für die Umsetzung existiert bereits.
Ein Ort ist schon vorhanden.
Nicht komfortabel im modernen Sinne – sondern simpel, sensibel und symbolisch.
Ein Ort, an dem Steinzeit und Neuzeit unmittelbar aufeinandertreffen, um gemeinsam der drohenden globalen Uniformität eine andersartige Lebensweise entgegenzusetzen.
Versuch einer Annäherung
Ein unbearbeiteter Textauszug eines Vorentwurfs zu einem Gegenwartsroman vermittelt einen ersten Eindruck davon, wie sich so ein Raum anfühlen könnte – in Fiktion und in Realität.
Den Schreibstil muss man nicht mögen. Darum geht es hier nicht. Wen aber auch die Thematik dieses Vorentwurfs generell nicht interessiert, ist an diesem Ort vermutlich fehl am Platz.
Literary exerpt – “The Experiment”
Kurzübersicht
Was es NICHT ist:
– Retreat
– Schreibschule
– Community
– Manifest-Versammlung
– Sammelbecken für Aussteiger
– harmonische Lebensgemeinschaft
– spiritueller Erlebnistourismus
– Selbstoptimierungskurs
– Projekt für führungsbedürftige Leute
Was es ist:
• eine temporäre Arbeitsgemeinschaft zwecks Erschaffung eines gemeinsamen Werkes mit Fokus auf die Entwicklung neuer Formen gesellschaftlichen Zusammenlebens, die z.T. am eigenen Leibe erfahren werden können.
Was daraus entsteht, bleibt offen.
Das ist kein Mangel, sondern Voraussetzung.
Tagesablauf
Vormittag: körperliche Arbeit
(Feld, Garten, Baustelle, Küche)
Nachmittag: kreative Arbeit (Text, Illustration, Research, Austausch)
Themenfelder:
• Ruralität und Urbanität • Tradition und Moderne
• Handwerk und Technik
• Nähe und Distanz
• Beziehung und Eros
• Vision und Alltag
Rahmen
• Begrenzte Zeit • Klare Aufgabenstellung • Teamwork • Offener Ausgang
Voraussetzungen
• Eigenständigkeit • Konzentrationsfähigkeit • Teamgeist • Ambiguitätstoleranz
Kern der Idee
Das Phänomen der erschaffenden Aufmerksamkeit
Ort des Geschehens
Da Permida Resort, Baclayan, Puerto Galera, Philippinen
Am Rand eines indigenen Dorfes in den Bergen, abseits des touristischen Trubels –
mit Blick auf eine Inselwelt, bekannt für außergewöhnliche maritime Biodiversität.
Puerto Galera als regionales Zentrum ist dennoch in etwa 15 Minuten erreichbar.
Zwei Perspektiven auf diesen Ort:
https://business.inquirer.net/171374/mangyan-entrepreneur-creates-ecohaven-in-the-mountains
https://www.jovialwanderer.com/2014/08/puerto-galera-series-da-pirmeda.html
Dauer: 4 Wochen
Datum: noch nicht festgelegt
Tagesablauf
Vormittag: körperliche Arbeit
(Feld, Garten, Baustelle, Küche)
Nachmittag: kreative Arbeit (Text, Illustration, Research, Austausch)
Wochenablauf:
3,5 Tage WorkWriteShop in der highland base Da Permida Resort
(Dienstagmorgen bis Freitagmittag)
3,5 Tage frei verfügbare Zeit in der lowland base Mingle House (Freitagmittag bis Dienstagmorgen) in Big Laguna oder anderer Wohnstätte in der näheren Umgebung
Kostendeckungsbeitrag : ca. 25 €/Tag/Person inkl. Unterkunft, Verpflegung (flexitarisch), traditionelle Massagen (auf Wunsch), Transport von Highland Base to Lowland Base
Veranstalter
Der Name ist Schall und Rauch.
Im Vordergrund steht die Idee.
Newold Worldbuilders
newoldworldbuilders@gmail.com
Nachtrag:
Ein weiterer WorkWriteShop ist geplant in den Reisterrassen von Batad.
Ein Ort mit einer jahrhundertealten, funktionierenden Sozialordnung, die bis ins 20. Jahrhundert weitgehend erhalten blieb – und heute unter dem Einfluss der modernen Zivilisation in einen tiefgreifenden Wandel gerät. Junge Leute wandern ab, die berühmten Terrassen verfallen zunehmend.
Der Status als UNESCO-Welterbe und damit auch der Tourismus als Haupteinnahmequelle stehen zur Disposition.
Ein realer Ort im Übergang.
Neue Geschichten braucht es auch hier.























