D-Lab WorkWriteShop

Geschichten • Schreiben • Geschichte

Writing at stake

Ein WorkWriteShop zur gemeinsamen Entwicklung von konkreten Zukunftsräumen

Viel wurde und wird geschrieben über die verschiedenen Szenarien, die die Menschheit möglicherweise erwarten könnten in der Zukunft, doch kaum erwas, das diese Zukunft auch verlockend erscheinen lässt. Die Rede ist von Texten, die Sehnsüchte wecken und Hoffnungen schüren können, bevor diese angesichts scheinbar unlösbarer Herausforderungen gänzlich erlöschen.

Lähmende Depression ist nicht ohne Grund zu einer wahren Volkskrankheit epidemischen Ausmaßes geworden – ebenso wie lärmende Aggression, die zunehmend aus Kinder- und Klassenzimmern herausdröhnt, ebenso wie aus Parlaments- und Regierungssitzen. Das Gros der Bevölkerung scheint in Resignation und Apathie versunken zu sein, mit wenigen Ausnahmen, die sich hier angesprochen fühlen dürfen.

Einige sprechen von Endzeit. Das lässt hoffen. Denn wo etwas Altes endet, beginnt gleichzeitig immer etwas Neues.

“Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne ….”

Das D-Lab

Das D-Lab ist ein zeitlich begrenzter Arbeitsraum für Menschen, die nicht länger daran glauben, dass relevante Zukunftsnarrative in Einsamkeit, Diskurs oder digitalen Räumen entstehen.

„Humans are storytelling animals“ – und zwar Hordentiere (nicht zu verwechseln mit Herdentieren!)

In der Steinzeit jagte man in überschaubaren, selbstständig agierenden Gruppen, Wikinger führten nach diesem Prinzip ihre erfolgreiche Beutezüge durch, moderne Kriegsführung ist darauf aufgebaut, und viele große Bauwerke entstanden in ähnlichen Arbeitsformen. Selbst Musik wird spätestens seit den Beatles nicht mehr von Sologenies erschaffen, sondern in kleineren Teams. Nur in der Literatur scheint immer noch das Klischee vom einsamen Genie vorzuherrschen, bestenfalls unterstützt von einem Verlagslektor oder Literaturagenten.

Dies ist ein Versuch, mit diesem Klischee zu brechen.

Warum gemeinsam schreiben?

Wenn scheinbar unlösbare Aufgaben gelöst werden sollen, greifen Gesellschaften oft auf dieselbe Arbeitsform zurück: zeitlich begrenzte, hochfokussierte Zusammenarbeit kleiner Gruppen jenseits normaler Routinen.Diese Arbeitsform ist kein historischer Sonderfall. Sie findet sich in sehr unterschiedlichen Kontexten: in Retreats indigener Stammesältester, in den Bauhütten mittelalterlicher Kathedralen, in Laboren wissenschaftlicher Forschungsprojekte oder an Sets von Filmproduktionen. Immer sind solche Rahmenbedingungen für begrenzte Zeit gedacht – und immer dann, wenn etwas entstehen soll, das sich im normalen Alltagsbetrieb nicht denken lässt.

The Manhattan Project war ebenfalls eine solche Ausnahmeform – nicht nur wegen seines Ziels, der Entwicklung einer Atombombe, sondern wegen seiner kompakten Arbeitsweise und optimalen Arbeitsbedingungen. Das Undenkbare wurde möglich, obwohl bis zur Probesprengung niemand sicher war, ob es funktionieren würde. Die Tragweite dieser Erfindung konnten oder wollten die Erschaffer allerdings nicht überblicken.

Ähnlich arbeiten heute viele erfolgreiche kommerzielle Projekte, z.B. im Umfeld von Silicon Valley: kleine autonome Teams, klare Aufgabenstellungen, begrenzte Zeiträume, Freistellung von Routineaufgaben, intensiver Austausch, offener Ausgang. Doch auch da wieder eine Abkoppelung vom konsequenten Durchdenken der gesellschaftlichen Tragweite, ob nun bedingt durch Unfähigkeit oder Unwilligkeit.

Umgekehrte Vorzeichen

Das D-Lab versteht sich in der Tradition dieser Arbeitsweise von Kleingruppen – nur mit umgekehrtem Vorzeichen hinsichtlich der Zielsetzung der oben genannten Beispiele.

Nicht das Bestreben zur Umsetzung von lokalem Stammesdünkel, ideologischen Doktrinen, seelenloser Forschung, kommerzieller Kunstproduktion oder digitalen Kontrollsystemen ist hier die treibende Kraft, sondern der Wunsch nach Steigerung der eigenen Lebendigkeit und Kreativität. Denn „Me first“ ist unabdingbar, um echtes fürsorgliches Mitgefühl für andere zu entwickeln, das weit entfernt ist vom gutmenschlichen Charity-Mindset.

Tragweite

Dem Vorsichtigkeitsprinzip folgend, sollte immer das Eintreten des schlimmsten Falles noch als akzeptabel empfunden werden. Risiken und Nebenwirkungen dieses Vorhabens sowie mögliche Szenarien dazu sind in einem Link am Ende des Textes beschrieben. Vor allem aber soll mit dem zu entwickelnden Entwurf der allgemeinen Visionslosigkeit entgegengewirkt werden, die tragische Folgen von ungemeiner Tragweite haben könnte – es sei denn, man betrachtet Transhumanismus und die Kolonisierung anderer Planeten als verlockende Visionen.

Investition

Ohne Milliardenbudgets soll dieses Experiment durchgeführt werden können, ohne religiöse, militärische oder ökonomische Zwänge – dafür mit Zeit, Körperlichkeit, bildlicher Sprache und der Bereitschaft, sich für eine Weile ganz auf etwas einzulassen, auch wenn das Endergebnis ungewiss ist.

Zielsetzung

Durch konzentrierte Zusammenarbeit auf Zeit soll ein neues, pragmatisches Narrativ für die nahe Zukunft entworfen werden, das ein fantastisches Narrativ für die ferne Zukunft impliziert – Stichwort: Tragweite.

Dies soll geschehen durch die Erschaffung einer literarischen Erzählung über einen experimentellen urbanen Lebensraum im Entstehen – mit all seinen zu erwartenden Herausforderungen, die unter Umständen selbst erlebt werden können, in der physischen Begegnung mit der Wirklichkeit an dem real existierenden Ort des D-Labs (s.u.).

Am Anfang ist das Bild

Prägende Narrative entstehen aus sinnlichen Erlebnissen, nicht aus abstrakten Gedankenmodellen, selbst wenn diese den Grundstein bilden können. Eine bildhafte Erzählung ist eine sinnliche Erfahrung, ist Körperlichkeit.

In einer in groben Zügen vorgegebenen Romanhandlung samt dazugehöriger Encyklopädie soll gemeinsam ein zeitnah umsetzbares Zukunftsszenario beschrieben werden – das beginnt mit der Bildung einer Arbeitsgemeinschaft, die sich D-Lab nennt. Das heißt, das real existierende D-Lab Team beschreibt in der Zeit seines Aufenthalts ein fiktives D-Lab Team, eingebettet in eine Romanhandlung. Das ist der Ausgangspunkt. Sollten bessere Ideen im Verlauf des Prozesses auftauchen, werden sie sich von ganz alleine durchsetzen.

Aufgabe

Es geht sozusagen um die Entwicklung einer Entropie (griech. = Hier-Ort), die ohne größeren Aufwand in der Gegenwart umsetzbar wäre, bei gleichzeitiger Entwicklung einer fernen Utopie (griech. = Nicht-Ort), die als eventuelle Folge der Entropie in der Zukunft denkbar wäre. Unweigerlich eingebunden ist die Protopie (griech. = Vorher-Ort), die für Vorgeschichte, kulturelle Wurzeln und Traditionen der Vergangenheit steht und unbedingt bei dem Entwurf berücksichtigt werden muss. Die entscheidenden Impulse jedoch kommen aus der zeitlosen Pantopie (griech. = Überall-Ort), dort, wo die Intuition zuhause ist. Diese sorgt durch entsprechende Handlungsverläufe und geschickte Wortwahl auch dafür, dass das ”Predigersyndrom” unterbleibt, was besonders in Zusammenhang mit utopischen Ideen schnell Widerstände wecken kann, verständlicherweise, nach so vielen z.T. grausig gescheiterten Versuchen, eine bessere Welt zu entwerfen.

„Der Weg zur Hölle ist gepflastert mit guten Absichten“.

Ausführung

Literarisch verpackt wird die Idee in eine Rahmenhandlung mit einem wissenschaftlichen Forschungsprojekt zur Erforschung von Faktoren für menschliches Wohlergehen. Das heißt, in der Romanhandlung geht es anfangs nicht um die Entwicklung von Entropie oder Utopie, sondern das ergibt sich erst unterwegs. Im Vordergrund steht der Entstehungs- und Gruppenprozess mit all seinen möglichen Herausforderungen, während die technischen und organisatorischen Einzelheiten des entropischen Entwurfes bis ins kleinste Detail in einer separaten Encyklopädie dargestellt werden – denn der Teufel steckt bekanntlich im Detail, bzw. singt Gott darin.

Entropie und Utopie, d.h. mögliche Gegenwarts- und Zukunftsszenarien stehen im Roman in engem Bezug zueinander – Stichwort: intergenerationelle Verantwortung – und sind in einem ständigen Dialog miteinander, der über zwei verschiedene Zeitebenen vor sich geht. Dieser kreative Dialog wird immer wieder zu einem Trialog durch die Einmischung der Protopie auf einer dritten Zeitebene, der Vergangenheit. Zum Tetralog wird es, als sich eine vierte Ebene meldet, die zeitlose Pantopie, die schließlich die entscheidende Rolle spielt.

Zwischen Protopie, der Welt, die war, Entropie, der Welt, die ist, Utopie, der Welt, die (noch) nicht ist, und der Pantopie, der Welt, die immer ist, bewegt sich das experimentelle Projekt N.O.W.land (New Old World Land), mit dem D-Lab als dem kreativen Kernstück.

Die Welt, die ist

Für die Entropie von N.O.W.land gibt es einen pragmatischen Entwurf (siehe Links am Ende dieses Textes), dessen Umsetzung sofort in Angriff genommen werden kann und auf deren Gestaltung man als Mitglied des D-Labs unmittelbar Einfluss nimmt als Co-Creator. Der physische Ort, an dem auch die Handlung des Romans angesiedelt sein könnte, existiert bereits.

Der Ort ist optimal. Nicht komfortabel im modernen Sinne, stattdessen simpel, sensibel und sehr symbolisch, denn hier begegnen sich Steinzeit und Neuzeit auf nur wenigen Quadratkilometern – eine historische Verdichtung sozusagen.

Widerspenstig genug ist der Ort auch, um dem grauen Zeitgeist der globalen Uniformität widerstehen zu können, als eine Oase in den sich ständig ausweitenden modernen Wüstenlandschaften.

Versuch einer Annäherung

Wie sich ein solcher Ort anfühlen könnte – sowohl in der angedachten Fiktion als auch im real existierenden Alltag des D-Labs – soll ein bislang unbearbeiteter Textauszug eines Vorentwurfs zu einem Romanmanuskript zeigen. Es ist nur Material im Werden, nicht mehr. Stilistisch ist das ganz sicher nicht jedermanns Sache. Soll und kann es auch nicht sein. Doch wer sich zudem auch thematisch nicht angesprochen fühlt, für den passt dieses Projekt sehr wahrscheinlich nicht.

Auch sollte man geübter Querleser sein, zumindest wenn man in der literarischen Linie des D-Labs mitwirken möchte (bzgl. anderer D-Lab Aktivitäten siehe Link am Ende dieses Textes).

Literarischer Textauszug “Das Experiment”: https://newoldworld.builders/literary-exerpt-the-experiment-v2/

Kurzübersicht

Dieses Vorhaben ist

  • kein Retreat
  • keine Schreibschule
  • keine Community
  • keine Manifest-Versammlung
  • kein Sammelbecken für Aussteiger
  • keine harmonische Lebensgemeinschaft
  • kein spiritueller Erlebnistourismus
  • kein Selbstoptimierungskurs
  • kein Projekt für führungsbedürftige Leute

Was es ist:

Eine Arbeitsgemeinschaft auf Zeit für Menschen, die gewohnt sind, eigenständig zu denken und im Team zu arbeiten – oder bereit sind, dies auszuprobieren. Was daraus entsteht – außer einem literarischen Werk, in welcher Qualität auch immer – ist offen. Das ist kein Mangel, sondern Voraussetzung.

Das D-Lab ist ein zeitlich begrenzter Arbeitsraum. Ausgangspunkt ist die Überzeugung, dass zukunftsfähige Narrative nicht in Einsamkeit oder reinem Diskurs entstehen, sondern in physisch präsenter Zusammenarbeit kleiner Gruppen – und zwar IRL, nicht online!

Gearbeitet wird an einer literarischen Erzählung samt dazugehöriger Enzyklopädie, die zusammen einen experimentellen urbanen Lebensraum im Entstehen beschreiben – mit allen Spannungen, Widersprüchen und Risiken.

Die übergeordneten Themen werden sein:

  • Nähe und Distanz
  • Urbanität und Rückzug
  • Arbeit und Eros
  • Vision und Überforderung

Der Tagesablauf verbindet körperliche Tätigkeit am Vormittag (Feld-, Garten- und Hausarbeit unter Anleitung von Mitgliedern eines indigenen Stammes) mit kreativer Tätigkeit am Nachmittag, wo es um die Arbeit an dem literarischen Werk geht.

Das D-Lab versteht sich als Ausnahme-Arbeitsform, vergleichbar mit Stammesälteste-Retreats mittelalterlichen Bauhütten, wissenschaftlichen Forschungsprojekten, kommerziellen Filmsets und visionären Entwicklungslabors: begrenzte Zeit, klare Aufgabe, offener Ausgang.

Ziel ist hier ein sinnlich erfahrbares Narrativ, das Lebendigkeit, Urbanität, Eros, Arbeit und Überforderung zusammendenkt. Der Ausgang ist bewusst offen und Voraussetzung für den Prozess.

Teilnehmer sollten gerne Eigenständigkeit, Konzentrationsfähigkeit und Ambiguitätstoleranz mitbringen

Praktisches

WorkWriteShop im D-Lab

Ort: Puerto Galera, Philippinen

Zeitraum: 12 Wochen in 2026 (genauer Termin folgt)

Unterbringungs- und Veranstaltungsort:

Da Permida Resort, Baclayan, Puerto Galera, Philippinen

Zwei Artikel mit unterschiedliche Perspektiven auf diesen Ort: https://business.inquirer.net/171374/mangyan-entrepreneur-creates-ecohaven-in-the-mountains https://www.jovialwanderer.com/2014/08/puerto-galera-series-da-pirmeda.html

Lage: Das Da Permida Resort liegt am Rand eines indigenen Dorfes in den Bergen, abseits des touristischen Trubels und Blick auf eine Inselwelt mit der größten maritimen Biodiversität der Welt.

Puerto Galera als touristisches Zentrum der Gegend ist trotzdem in nur 15 Minuten erreichbar. https://guidetothephilippines.ph/articles/ultimate-guides/puerto-galera-travel-guide?

Teilnahmebedingung: 20 €/Tag/ Person für flexitarische Verpflegung und andere Serviceleistungen durch angestelltes Personal (z. B. Wäsche, Besorgungen, Transport, traditionelle Massagen).

Die Unterbringung ist kostenfrei.

Veranstalter: Name ist Schall und Rauch. Im Vordergrund steht die Idee, nicht ihre Urheber.

Mit besten Grüßen

Newold Worldbuilder

newoldworldbuilders@gmail.com

Tiefergehende Information:

10. D-Lab activities

Gruppenenergie und das Phänomen der schöperischen Aufmerksamkeit

WAS, WENN so ein Projekt realisiert wird?

Und schließlich der Kern des Ganzen:

Das Phänomen der erschaffenden Aufmerksamkeit

PS: Ein weiterer Work-Writeshop nach gleichem Muster ist gegen Ende des Jahres geplant – mitten in den Reisterrassen von Batad, einem UNESCO-Weltkulturerbe. Die Ifugao-Kultur als deren Erschaffer bewahrten ihre vorkoloniale Sozialordnung bis ins 20. Jahrhundert hinein. Ihr Gemeinwesen galt lange als seltenes Realbeispiel einer funktionierenden, post-industriellen Volkswirtschaft – und steht heute, passend zum Thema des Work- Writeshops, vor einem tiefgreifenden, selbstgewählten Wandel, ausgelöst hauptsächlich durch den zunehmenden Tourismus.